Agent 64: Spies Never Die im Test: GoldenEyes Geist lebt auf dem PC weiter
Ein französischer Solo-Entwickler hat jahrelang die GoldenEye-Formel neu aufgebaut - und Version 1.0 beweist, dass sich das Warten gelohnt hat. Wertung: 8/10
Luka Perić
Tuesday, August 18, 2026

Alle paar Jahre verspricht jemand die Rückkehr von GoldenEye 007, und alle paar Jahre verläuft es im Sand. Verzeiht mir also die Skepsis, als Agent 64: Spies Never Die am 11. August 2026 nach einer langen Early-Access-Phase endlich als Version 1.0 auf Steam erschien. Zwei Abende später spielte ich Missionen auf höheren Schwierigkeitsgraden erneut, nur um die zusätzlichen Ziele zu sehen, ganz wie 1997 - und das meine ich als größtmögliches Kompliment.
Was es ist
Agent 64 ist ein Retro-Spionage-Shooter, gebaut in Unity von Replicant D6, einem Solo-Entwickler aus Frankreich, und er trägt seine Vorbilder offen: GoldenEye, Perfect Dark, eine Prise TimeSplitters. Ihr spielt Geheimagent John Walter in einer Kampagne mit 14 Missionen gegen den Schurken Dominic Pulp - solo oder im Koop, zu zweit im Splitscreen, zu viert online. Der Versus-Multiplayer unterstützt vier Spieler an einem Bildschirm oder acht online, mit Bots als Lückenfüller. Vorerst gibt es das Spiel nur für den PC; der Termin der Konsolenfassung ist offiziell "geheim". Der Preis ist ein Augenzwinkern für sich: bei uns auf Steam 21,64 Euro, mit Einführungsrabatt bis zum 25. August.
Wie es sich spielt
Das ist die echte Formel, nicht nur eine Hülle. Die Missionen sind zielgetriebene Sandboxen - platziere dies, stiehl das, beschütze jene -, und ganz im GoldenEye-Stil kommen auf höheren Schwierigkeitsgraden zusätzliche Ziele hinzu, was die 14 Missionen weit wiederspielbarer macht, als die Zahl vermuten lässt. Die klobige Optik und die schwankenden Waffen sitzen perfekt, aber entscheidend ist: Darunter spielt es sich wie ein moderner Shooter. Das Zielen mit der Maus ist präzise, die Framerate liegt nicht bei 20 fps, und freischaltbare Cheats und Modifikatoren sorgen für das gepflegte Chaos zwischendurch.
Das Splitscreen-Deathmatch hat mich wirklich zurückversetzt. Vier Leute auf einer Couch, Alberei im Stil des Big-Head-Modus, Vorwürfe wegen Bildschirm-Spähens - eine Zeitmaschine, die noch funktioniert.
Die Ecken und Kanten
Seid euch im Klaren, was ihr kauft: bewusst altmodisches Design. Die Gegner-KI ist nach 2026er-Maßstäben simpel, Schleichen ist eher Andeutung als System, und die Missionserzählung bestenfalls zweckmäßig. Die Kritik war gespalten - der Metacritic-Schnitt liegt in den niedrigen Siebzigern, während Steam-Nutzer bei "Sehr positiv" stehen -, und ich halte diese Lücke für ehrlich. Wem GoldenEye nichts bedeutet, der darf von meiner Wertung ein, zwei Punkte abziehen. Eine Konsolenfassung fehlt zudem noch - bitter für ein Spiel, das für die Couch geboren wurde.
Fazit
Agent 64 ist die GoldenEye-Wiederbelebung, die echte Fans verdient haben: ehrfurchtsvoll, wo es zählt, modern, wo es darauf ankommt, und fair bepreist. Ein Solo-Entwickler hat alle übertroffen, die das in den letzten zwanzig Jahren versucht haben. Wer zielbasierte Retro-Shooter liebt - oder drei Freunde und einen Bildschirm hat -, bekommt hier eine klare Empfehlung.
Wertung: 8/10
Bild: Evan-Amos / Public domain, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:N64-Controller-Gray.jpg