Beast of Reincarnation im Test: Game Freak zeigt endlich Zähne
Game Freaks erster großer Nicht-Pokemon-Wurf ist ein Parade-lastiges Action-RPG mit wunderschöner, melancholischer Atmosphäre und einer Welt, die dem Kampfsystem nicht ganz folgen kann. Wertung: 7/10.
Luka Perić
Friday, August 7, 2026

Seit dreißig Jahren hängt dieselbe Frage über Game Freak: Was passiert, wenn das Pokemon-Studio wirklich mal etwas anderes versucht? Beast of Reincarnation, erschienen am 4. August für PS5, Xbox Series X|S und PC (ab Tag eins im Game Pass), ist die Antwort - und eine deutlich bessere, als ich erwartet hatte.
Ihr spielt Emma the Sealer, eine 18-Jährige, die durch ein postapokalyptisches Japan im Jahr 4026 wandert, eine Welt, die von einer Kreatur vergiftet wurde, die die Natur selbst befallen hat. An ihrer Seite: Koo, ein streunender Hund, der mit ihr kämpft. Das "ein Mädchen, ein Hund"-Konzept klingt nach Marketing, ist aber das mechanische Herz des Spiels: Koo ist kein Haustier, sondern eine zweite Waffe, und ihn mitten im Gefecht zu dirigieren ist der Moment, in dem sich das Kampfsystem öffnet.
Der Kampf ist das Herzstück
Dies ist ein Parade-zentriertes Action-RPG, das offensichtlich Sekiro studiert hat und den Vergleich über weite Strecken verdient. Die Paraden fühlen sich knackig an, Bosskämpfe haben echten Rhythmus, und Emmas Pflanzenkräfte bringen genug Eigenheit mit, damit die Gefechte nicht verschwimmen. Wenn ein Kampf sitzt - ihr pariert, Koo greift von der Flanke an, die Arena zerfällt um euch herum - ist das ehrlich eines der besseren Actionspiele des Jahres.
Die Atmosphäre trägt den Rest. Verseuchte Wälder, versunkene Schreine, eine Ghibli-nahe Melancholie über allem. Game Freaks Art-Team hat Jahrzehnte darauf gewartet, etwas so Wehmütiges zu bauen, und man sieht es.
Wo es stolpert
Die Welt zwischen den Kämpfen ist das Problem. Die Erkundung ist dünner, als die halboffene Struktur verspricht, Nebeninhalte wiederholen sich, und die Geschichte schwankt zwischen starken Bildern und Dialogen, die zu viel erklären. Auch die Performance ist zum Start holprig - Framerate-Einbrüche, die ein Patch beheben sollte, mit denen ein 60-Dollar-Spiel aber nicht erscheinen dürfte. Die Kritik ist aus gutem Grund gespalten: Der Metacritic-Schnitt liegt in den niedrigen 70ern, und ich verstehe sowohl die, die es großartig nennen, als auch die, die es hohl finden.
Fazit
Beast of Reincarnation ist ein fehlerbehaftetes, aufrichtiges, stellenweise brillantes Action-RPG - das Beste, was Game Freak je außerhalb seiner gelddruckenden Marke gemacht hat. Wer Game Pass hat, bekommt bei uns eine klare Empfehlung: Das Spiel ist ohne Aufpreis enthalten, was bei einem Standardpreis von 59,99 Dollar durchaus zählt. Alle anderen: Allein der Kampf ist es wert, aber auf den ersten Performance-Patch zu warten ist der klügere Weg.
Wertung: 7/10
Bild: Basile Morin / CC BY-SA 4.0, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bamboo_Forest,_Arashiyama,_Kyoto,_Japan.jpg