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Bewertung

Big Walk im Test - Die Goose-Macher ließen mich meine Freunde neu schätzen

House House folgt auf Untitled Goose Game mit einer Koop-Wanderung für 2-12 Spieler, die komplett ums Reden gebaut ist. Die besten zwanzig Dollar, die eure Gruppe dieses Jahr ausgibt - sofern ihr eine habt. Wertung: 9/10.

Luka Perić

Thursday, August 6, 2026

Big Walk im Test - Die Goose-Macher ließen mich meine Freunde neu schätzen

Ich war bereit, bei Big Walk mit den Augen zu rollen. Noch ein gemütliches Koop-Spiel über Stimmung und Freundschaft, von der Sorte, die das Internet inzwischen Friendslop nennt? Dann bin ich zwei Abende lang mit drei Freunden und einem Satz Walkie-Talkies durch seine Welt gewandert - und habe seit Jahren bei keinem Spiel so gelacht.

Was es ist

Big Walk ist das neue Koop-Abenteuer von House House, dem australischen Studio hinter Untitled Goose Game, veröffentlicht von Panic. Es erschien am 4. August 2026 für PC und Mac via Steam, PlayStation 5 und Nintendo Switch 2, mit vollem Cross-Play, zum Preis von 19,99 US-Dollar - bis zum 18. August läuft zudem ein Launch-Rabatt von 25 Prozent. Das Spiel ist reiner Online-Multiplayer, ausgelegt auf Gruppen von 2 bis 12 Spielern und darauf, mit derselben Truppe von Anfang bis Ende gespielt zu werden.

Wie es sich spielt

Ihr geht. Das ist tatsächlich das Kernverb - euer kleines langbeiniges Wesen wandert durch eine große, handgebaute offene Welt aus Küstenklippen, Pfaden und seltsamen Apparaturen. Die Magie steckt darin, wie ihr redet. Der Proximity-Voice-Chat ist der eigentliche Technik-Star: Stimmen verblassen mit der Entfernung, hallen durch Gänge, klingen hinter Wänden gedeckt und knistern durchs Walkie-Talkie. Jedes Rätsel baut darauf auf. Einer liest Symbole von einem Whiteboard ab, während ein anderer, ein halbes Tal entfernt, sie nachzeichnet; jemand fuchtelt mit einem Laserpointer; jemand brüllt ins Megafon und ruiniert alles. Wenn Sprechen keine Option ist, rudert ihr mit den Armen - in Gesten, die gleichzeitig nutzlos und perfekt verständlich sind.

Nichts hier ist mechanisch schwer. Alles ist sozial chaotisch, und genau das ist der Punkt. House House versteht, dass der Spaß am Koop nicht die Lösung ist, sondern das Verhandeln - dieselbe Erkenntnis, die eine fiese Gans zum Weltstar machte, hier über eine ganze Landschaft gespannt.

Die Schwächen

Seid euch im Klaren, was ihr kauft. Es gibt keinen Einzelspielermodus, keine Story zum Alleine-Durchspielen: Wer nicht mindestens einen Freund zur gleichen Zeit online bekommt, hat mit Big Walk einen Bildschirmschoner. Eine größere Gruppe zu koordinieren bringt die übliche Terminqual, und hat die Truppe die Welt einmal gelöst, sinkt der Reiz der zweiten Runde. Gelegentlich hätte ich mir zudem fordernde Rätsel gewünscht - einige Abschnitte fahren rein auf Charme.

Für wen es ist

Wer eine Discord-Gruppe hat, die die Koop-Horror-Welle überlebt hat, findet hier die nächste Obsession - und mit dem Launch-Rabatt kostet das bei uns pro Kopf weniger als eine Runde Getränke. Wer allein spielt, für den ist das - ausnahmsweise wörtlich - nichts.

Fazit: das wärmste, witzigste Multiplayer-Design des Jahres, ein Spiel, das Reden in Gameplay verwandelt und das Lachen der Freunde in seinen Soundtrack. Es stolpert nur dort, wo auch das echte Leben stolpert: Man braucht Menschen.

Wertung: 9/10

Bild: Dietmar Rabich / CC BY-SA 4.0, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Princetown_(AU),_Port_Campbell_National_Park,_Twelve_Apostles_--_2019_--_0930.jpg