Capy Castaway Review: Viel Herz, halbes Spiel
Das gemütliche Inselabenteuer von Kitten Cup Studio ist aufrichtig, warm und oft wunderschön - und stolpert dann über schwammiges Platforming, orientierungslose Navigation und einen Koop-Modus, der Spieler zwei vergessen hat. Wertung: 6/10.
Luka Perić
Tuesday, September 1, 2026

Jeder August hat ein kleines Spiel, das weit über seinem Budget spielt. Dieses Jahr wollte ich unbedingt, dass es Capy Castaway ist. Fast wäre es das geworden.
Worum es geht
Das gemütliche Erkundungsabenteuer von Kitten Cup Studio erschien am 6. August 2026 auf Steam für Windows und macOS, veröffentlicht von Big Blue Sky Games, zum Preis von 20,49 Euro. Eine Flut verstreut die Bewohner eines Zoos, und ihr strandet als Capy, ein Wasserschwein-Junges, gemeinsam mit einer Krähe namens Corvi auf einer unbekannten Insel. Ihr erkundet, löst sanfte Umgebungsrätsel, helft anderen gestrandeten Tieren und nähert euch langsam einem von mehreren möglichen Enden. Es gibt lokalen Splitscreen-Koop und Unterstützung für Remote Play Together, wobei der zweite Spieler Corvi übernimmt.
Für deutschsprachige Spieler ein echter Pluspunkt: Oberfläche, Audio und Untertitel sind vollständig auf Deutsch verfügbar.
Wie es sich tatsächlich spielt
Besser, als "Cozy Game" normalerweise verspricht, zumindest anfangs. Die Erkundung ist die größte Stärke. Die Insel besteht aus kleinen, gut lesbaren Ecken, die Neugier belohnen, statt euch eine Checkliste vorzusetzen, und die handgezeichnete Optik hat echte Wärme - man merkt, dass jemand diese Welt mit Liebe gebaut hat. Das Schreiben streift schwerere Themen, Verlust, Entwurzelung und die Frage, was "Zuhause" noch bedeutet, wenn das eigene weg ist, und tut das leichtfüßig genug, um nie belehrend zu wirken. Zwei, drei Szenen haben mich wirklich erwischt.
Dann stolpert das Spiel über die eigenen Füße. Das Platforming ist derart schwammig, dass simple Sprünge zum Ratespiel werden - ein seltsamer Fehler in einem so sanften Spiel. Der Verzicht auf Führung ist offensichtlich Absicht, ihr seid ein Tier, das einen neuen Ort kennenlernt, aber er funktioniert nur zur Hälfte. Manchmal fühlt sich diese Unklarheit nach Entdeckung an. Genauso oft dreht ihr Runden, ohne zu wissen, was das Spiel von euch will, und aus "gemütlich" wird "zäh".
Der Koop-Modus ist die eigentliche Enttäuschung. Auf dem Papier ist er das Aushängeschild: Partner oder Kind auf der Couch, das als Corvi herumfliegt. In der Praxis folgt Spieler zwei meist Spieler eins und drückt gelegentlich eine Taste. Das ist Anwesenheit, keine Beteiligung, und es untergräbt genau das, was daraus einen Familienabend statt eines Solo-Nachmittags gemacht hätte.
Der Start war zudem holprig. Quests, die nicht registriert wurden, diverse Glitches, die übliche Release-Woche eines kleinen Teams. Kitten Cup hat ein Update mit Fehlerbehebungen, Performance-Verbesserungen und visueller Barrierefreiheit nachgeschoben, was spürbar hilft - aber für ein Spiel, das die meisten in etwa fünf Stunden durchhaben, war die Reibung am ersten Tag zu diesem Preis schwer zu verteidigen.
Für wen es ist
Für alle, die Cozy Games wegen Atmosphäre und Geschichte spielen und nicht wegen der Systeme, und denen gelegentliches Verirren nichts ausmacht. Wer mechanische Tiefe, präzises Platforming oder ein echtes Erlebnis zu zweit sucht, schaut besser woanders.
Fazit
Ein aufrichtiges, gutherziges kleines Spiel auf wackeligen Beinen. Optik und Schreibe hätten einen besseren Unterbau verdient, und ich hoffe, Kitten Cup patcht weiter, denn hier steckt eine 7 oder 8 drin. So wie es jetzt ist: erst die Demo testen oder auf einen Sale warten.
Wertung: 6/10
Bild: Clodomiro Esteves Junior / CC BY-SA 4.0, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Capivara(Hydrochoerus_hydrochaeris).jpg