Endless Legend 2 im Test: Brillante erste 100 Züge, dann geht die Flut zurück
Amplitudes 4X-Fortsetzung verlässt den Early Access mit acht völlig unterschiedlichen Fraktionen und einer Welt, die sich zwischen den Zügen buchstäblich leert. Der Einstieg ist der beste im Genre, das Endspiel die Schwachstelle. Wertung: 7/10.
Luka Perić
Monday, September 21, 2026

Worum es geht
Endless Legend 2 ist die Fantasy-4X-Fortsetzung von Amplitude Studios, veröffentlicht von Hooded Horse. Version 1.0 erschien am 17. September 2026 für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S, nach einem Jahr im Early Access (seit dem 22. September 2025). Schauplatz ist Saiadha, ein Ozeanplanet, auf dem sich das Meer in sogenannten Tidefalls regelmäßig zurückzieht und mitten in der Partie neues Land, Ruinen und Ressourcen freilegt. Der volle Preis liegt bei 49,99 Euro, bis zum 1. Oktober läuft aber eine Launch-Aktion mit 50 % Rabatt (24,99 Euro), und ich würde jeden, der auch nur leicht neugierig ist, ehrlich auf genau dieses Zeitfenster verweisen.
Wie es sich tatsächlich spielt
Wer Amplitude kennt, kennt die Formel: Hexfeld-Karte, regionsbasierte Expansion (eine Stadt pro Region), Helden, die aufsteigen, Quests, die die Geschichte jeder Fraktion erzählen, und Fraktionen, die nicht nur andere Boni, sondern andere Regeln haben. Die 1.0-Version bietet acht spielbare Fraktionen plus einen Fraktionseditor. Die neuen Sandshaper wollen die Ozeanwelt zurück in eine Wüste verwandeln, die Aspects säen Korallen auf fremde Hexfelder, und die alten Favoriten spielen sich weiterhin wie eigene Spiele. Diese Asymmetrie ist der eigentliche Grund, das hier statt irgendetwas anderem im Genre zu kaufen.
Die Tidefalls sind die große Idee der Fortsetzung, und sie funktionieren. Immer wieder sinkt das Wasser, und die Karte, die man verstanden zu haben glaubte, verändert sich: Ein Rivale bekommt eine Landbrücke zu euch, eine unerreichbare Ruine wird zum Wettlauf, eine Ressource taucht auf, wo vorher nichts war. Das zwingt zum Umplanen, statt ab Zug eins eine Build-Order abzuspulen - und genau daran scheitern 4X-Spiele sonst.
Die Kämpfe sind rundenbasiert und taktisch auf dem echten Kartengelände, sauberer und schneller als im Original. Der Städtebau mit Distrikten ist aus Humankind übernommen und passt hier gut: Wo ein Distrikt steht, hat Gewicht, weil die Wasserlinie Gewicht hat.
Die Stärken
- Fraktionsdesign, das wirklich kreativ ist und nicht nur eine Statistiktabelle mit neuem Anstrich - Tidefalls machen die Spielmitte auf gute Weise unberechenbar - Amplitudes Art Direction ist nach wie vor die beste unter den Strategiespielen - Die Fraktionsquests geben einen erzählerischen Grund weiterzuspielen
Die Schwächen
- Das Endspiel zieht sich. Ab vier oder fünf Städten versiegen die interessanten Entscheidungen, und es wird ein Tabellenmarsch zum Siegbildschirm. - Die KI ist passiv und bestraft Überexpansion zu langsam. Auf Normal fühlte ich mich nach Zug 120 nie bedroht. - Die Zugzeiten werden auf großen Karten lang, besonders auf Konsole. - Die storylastige Quest-Ebene wird Puristen nerven, die eine saubere Sandbox wollen. Mir gefällt sie, aber ich verstehe die Kritik.
Für wen ist es
Für Spieler, die an Civilization abgeprallt sind, weil sich jede Fraktion gleich anfühlte. Für alle, die das erste Endless Legend geliebt haben und dasselbe mit einer besseren Karte wollen. Nichts für Leute, die einen messerscharfen KI-Gegner wollen, und kein Heilmittel gegen 4X-Endspiel-Langeweile - die hat noch niemand gelöst, auch Amplitude nicht.
Fazit
Endless Legend 2 hat die besten ersten hundert Züge im Genre und völlig gewöhnliche letzte fünfzig. Zum Aktionspreis ist das eine klare Empfehlung; zum vollen Preis ein gutes Spiel mit einer bekannten Schwäche, die man bei uns einkalkulieren sollte.
Wertung: 7/10
Bild: R. Ray, NASA Goddard Space Flight Center, Jet Propulsion Laboratory, Scientific / Public domain, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:M2_tidal_constituent.jpg