Grail im Test: Die Stacklands-Macher bauen den Autobattler, von dem ich nicht loskomme
Sokpops Grail ist ein Deckbuilding-Autobattler, in dem die Karten für dich kämpfen - und der gefährlichste Zehn-Euro-Zeitfresser des Monats. Wertung: 8/10.
Luka Perić
Monday, September 7, 2026

Während die ganze Branche auf die großen September-Releases starrt, ist das süchtig machendste Spiel des Monats am 1. September still und leise für unter zehn Euro erschienen. Grail, der neue Deckbuilding-Autobattler des Sokpop Collective - der Truppe hinter Stacklands - hat mehr von meiner Woche gefressen als Spiele zum dreißigfachen Preis.
Was es ist
Grail stellt die Deckbuilder-Formel auf den Kopf: Das Deck spielt sich selbst. Im Kampf spielst du keine einzige Karte aus. Alle Entscheidungen fallen zwischen den Gefechten - welche Karten du nimmst, welche du aufwertest, welche du verzauberst und wo du Sticker mit Zusatzeffekten aufklebst. Dann drückst du auf Start und siehst zu, wie deine kleine Maschine ein Monster zerlegt oder sich blamiert. Runs dauern 15-45 Minuten, es gibt über 250 Karten und mehr als 100 Traits, mehrere spielbare Charaktere und einen asynchronen PvP-Modus im Stil von Super Auto Pets, in dem dein Deck gegen die Kreationen anderer Spieler antritt.
Die Stärken
Das Geniale sind die Kaskadeneffekte. Eine Karte löst einen Trait aus, der Trait eine Verzauberung, die Verzauberung eine weitere Karte - und plötzlich ist der Bildschirm eine selbstgebaute Rube-Goldberg-Maschine aus Schadenszahlen. Dieser "noch ein Run, um die Combo zu testen"-Sog ist hier so stark wie in jedem Roguelite, das ich dieses Jahr gespielt habe. Das Trait-System belohnt echte Planung statt bloßem Griff zur glänzendsten Karte, und die PvP-Kämpfe gegen echte Spieler-Decks halten die Meta ehrlich - ein Monster-Farm-Build kann gegen ein von Menschenhand getuntes Deck auseinanderfallen. Sokpops knuffiger, handgemachter Stil holt viel aus wenig heraus, und das Launch-Bundle auf Steam legt sogar Stacklands obendrauf.
Die Schwächen
Es bleibt ein Autobattler: Läuft ein Kampf schief, sitzt du da und siehst ihm beim Schieflaufen zu. Wer Kontrolle in jedem Moment braucht, wird hier wahnsinnig. Manche Runs kippen zudem zu vorhersehbar ins Schneeballsystem, sobald eine starke Synergie greift, und die Spannung in der Run-Mitte sackt gelegentlich ab. Technisch gibt es vorerst nur Windows und macOS - und die Mac-Version ist für Intel-Rechner gelistet, eine seltsame Einschränkung im Jahr 2026. Konsolenspieler müssen improvisieren.
Für wen es ist
Wenn Stacklands, Super Auto Pets oder Balatro dich je ein Wochenende gekostet haben, zielt Grail direkt auf dich. Es ist ein Mittagspausen-Spiel, das mit kurzen Runs so tut, als würde es deine Zeit respektieren - und dir dann doch den Abend stiehlt. Bei uns kostet es 9,75 Euro, aktuell mit 20 Prozent Einführungsrabatt - ein Impulskauf-Preis, der weit mehr liefert, als er verspricht.
Fazit
Grail wird niemanden bekehren, dem Autobattler zu passiv sind, und ihm fehlt die Tiefe eines Premium-Roguelites. Aber als günstige, clevere, endlos wiederspielbare Combo-Maschine mit echtem PvP-Biss ist es das versteckte Juwel eines sehr lauten Septembers. Die 90 Prozent positiven Steam-Bewertungen sind kein Zufall.
Wertung: 8/10
Bild: ÅñtóñSûsî (Ð) / CC BY 3.0 de, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:UCB_Playing_Cards.png