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Bewertung

Ledgerbound im Test: Das beste Taktikspiel über abgelehnte Versicherungsfälle

Ein Taktik-Rollenspiel-Erstling, in dem man Dämonen bekämpft und Papierkram bearbeitet, von Ex-Helldivers-2-Autoren. Witziger und klüger, als es sein müsste - und eines der echten Schnäppchen des Jahres. Wertung: 8/10

Luka Perić

Monday, August 31, 2026

Ledgerbound im Test: Das beste Taktikspiel über abgelehnte Versicherungsfälle

Fast hätte ich dieses Spiel übersprungen. Ein rundenbasiertes Taktikspiel, in dem man einen Schadensregulierer in einem Fantasy-Königreich spielt, klingt nach einem Witz, der nach zwanzig Minuten aufgebraucht ist. Ist er nicht. Ledgerbound ist der beste Dreissig-Euro-Kauf des Jahres für mich, und das sagt jemand, der es fest als Meme abschreiben wollte.

Worum es geht

Entwickelt und selbst veröffentlicht von OmniMegaSuperCorp, einem neuen Studio, dessen Game Director und Lead Writer Russ Nickel Lead Writer bei Helldivers 2 war. Erschienen am 13. August 2026 auf Steam für Windows und macOS, Preis 29,99 Dollar beziehungsweise 30,49 Euro, dazu ein optionales Deluxe-Supporter-DLC. Es gibt ein Deluxe-Upgrade und keinen Season Pass, was 2026 schon als Charaktereigenschaft zählt.

Man spielt Rayna, eine Schadensregulierin in einem Königreich, das in Bürokratie ersäuft. Ein uraltes Böses taucht auf und bedroht das Reich und, weit wichtiger, ihre Beförderung. Also nimmt sie ihr Klemmbrett mit ins Feld und sammelt unterwegs eine Truppe Sonderlinge ein.

Wie es sich spielt

Unter dem Gag steckt ein echtes rasterbasiertes Taktik-Rollenspiel mit Zähnen. Positionierung zählt, Fähigkeiten lassen sich pro Figur anpassen, Ausrüstung verändert die Funktionsweise einer Einheit statt nur Zahlen zu erhöhen, und die schwereren Karten bestrafen einen dafür, den Trupp als austauschbar zu behandeln. Der Vergleich, den alle ziehen, lautet Fire-Emblem-Kampf plus eine Beziehungsebene im Stil von Baldur's Gate 3, und ehrlich gesagt trifft das gut genug zu.

Überrascht hat mich das Zeitmanagement. Zwischen den Einsätzen verteilt man begrenzte Zeit auf Training, Papierkram oder Menschen, und diese Entscheidungen bleiben. Man kann nicht alles maximieren. Ein Abend mit einer Kameradin, die man mag, bedeutet, dass eine Einheit, die man braucht, halbgar in den Kampf geht, und das Spiel weicht davon nie ab. So bekommt die Romanze echtes Gewicht, statt ein Menü zu sein, das man abarbeitet.

Getragen wird alles vom Text. Alle Figuren sind voll vertont, die Witze treffen deutlich öfter als sie danebengehen, und die Konzernsatire - Romanzen, die laut Spiel personalabteilungskonform bleiben müssen - ist tatsächlich komisch und nicht selbstgefällig. Es hat auch mehr im Sinn als Bürowitze; hier stecken ernste Themen drin, besser behandelt, als ich es von einem Erstling erwartet hätte.

Die Schwächen

Die Satire dünnt im Mittelakt aus, wenn die Handlung sich wie eine richtige Fantasy-Geschichte benehmen muss und die Pointen seltener werden. Einige Karten in der Kampagnenmitte recyceln ihre Layouts. Und der grosse Punkt: Es gibt das Spiel nur für PC und Mac, keine Konsolenfassung, und es ist ausschliesslich auf Englisch - volle Vertonung und Untertitel auf Englisch, sonst nichts. Wer mit Englisch kämpft, verliert bei einem derart textlastigen, pointendichten Spiel den grössten Teil des Werts. Das sollte man vor dem Kauf wissen.

Für wen es sich lohnt

Für alle, die Taktikspiele lieben und auf eines mit Persönlichkeit gewartet haben. Für alle, die von düsterer Fantasy genug haben. Wer reine strategische Tiefe ohne Dialog will, dem wird es zu geschwätzig sein.

Fazit

Ein Erstling, der weit über seinem Preis schlägt. Nicht makellos, aber ich habe ihn grinsend beendet und sofort einen zweiten Spielstand mit anderen Romanzen begonnen. Mehr Test braucht es eigentlich nicht.

Wertung: 8/10

Bild: Yılmaz Kilim / CC CC0 1.0, source: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=71471585