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Bewertung

Marvel's Wolverine im Test: Brutale Krallen, kurze Leine

Insomniacs Wolverine trifft Gewalt und Optik perfekt, doch ein dünner Kampf-Loop und eine wirre zweite Hälfte verhindern Größeres - erst recht für 79,99 €. Wertung: 7/10.

Luka Perić

Tuesday, September 15, 2026

Marvel's Wolverine im Test: Brutale Krallen, kurze Leine

Fünf Jahre nach der Ankündigung ist Insomniacs Marvel's Wolverine endlich da - ein PS5-Exklusivtitel, erschienen am 15. September 2026. Und nein, das ist kein Spider-Man mit Krallen. Keine offene Stadt zum Durchschwingen, keine Karte voller Symbole. Stattdessen ein lineares, filmisches Actionspiel im Stil der alten God-of-War-Trilogie - und genau diese Entscheidung ist zugleich die beste Idee des Spiels und der Grund, warum ihm irgendwann die Luft ausgeht.

Worum es geht

Logan kehrt nach drei Jahren zu Team X zurück, an der Seite von Mystique, Sabretooth und Nathaniel Essex, während Bolivar Trask weltweit Mutanten entführt. Die Jagd führt vom Schnee Nordkanadas über Tokios Viertel Kabukicho bis in den Neon-Moder von Madripoor. Liam McIntyre als Logan ist hervorragend - müde, witzig, gefährlich - und Troy Baker stiehlt als Essex fast jede Szene.

Die Krallen sind das Spiel

Im Kampf hat Insomniac sein Geld verdient. Ihr pariert, bringt Gegner ins Taumeln und nehmt sie dann auseinander; die Wutleiste verwandelt Schwung in sofortige Exekutionen oder einen Last Stand, wenn ihr schon am Boden liegt. Bis zu vier von sechs Spezialfähigkeiten lassen sich ausrüsten, darunter Healing Factor, der Rest wird über das Adaptations-Raster feinjustiert. Einen Kerl per Dropkick durch eine Wand zu befördern, den nächsten an einer Falle aufzuspießen und dann quer durch den Raum auf den dritten zu springen, fühlt sich großartig an, und der DualSense verkauft jeden Treffer. PEGI 18 - und das völlig zu Recht.

Das Problem: Der Kampf in Stunde zwei ist im Grunde derselbe wie in Stunde zwölf. Echte Kombo-Bäume gibt es nicht - Angriff, Sprung, Parade, Exekution, Wiederholung. Neue Gegnertypen erzwingen kleine Anpassungen, doch Bosse sind meist große Lebensbalken mit einem Quick-Time-Event am Ende. Im letzten Akt habe ich die Animationen mehr bewundert, als dass mich der Kampf noch gepackt hätte.

Story und Tempo

Die erste Hälfte treibt ordentlich voran. Die zweite verheddert sich in X-Men-Lore und Fortsetzungs-Vorbereitungen und kündigt ihre Wendungen lange vorher an. Die Motorradpassagen sind hölzern und wirken, als stammten sie aus einem anderen, billigeren Spiel. Nebeninhalte gibt es in Maßen: Nightmare Doors (Herausforderungsarenen und Parcours, die Erinnerungen und Upgrade-Punkte freischalten), Whiskyflaschen, die Logans Vergangenheit ergänzen, und herstellbare Anzüge. New Game+ ist ebenfalls an Bord.

Optik und Technik

Technisch ist das ein Aushängeschild. Beleuchtung und Raytracing gehören zum Besten, was ich auf einer Konsole gesehen habe, die Übergänge zwischen Zwischensequenz und Spiel sind nahtlos, und das Spiel ist PS5 Pro Enhanced. Rechnet mit einer Kampagne von etwa 12 bis 18 Stunden, je nachdem, wie gründlich ihr stöbert.

Das Preisproblem

Bei uns kostet die Standard Edition im PlayStation Store 79,99 €, die Digital Deluxe Edition mit zusätzlichen Anzügen und Krallen 89,99 €. Für ein lineares Actionspiel, das ihr vermutlich an zwei Wochenenden durchspielt, ist das happig. Wer kein eingefleischter Logan-Fan ist, wartet auf den ersten Rabatt.

Fazit

Nie hat sich Wolverine in einem Spiel besser angefühlt als hier - und doch ist das eines der schwächeren Gesamtpakete von Insomniac. Die Fantasie sitzt, das Gerüst drumherum ist dünn. Spielenswert, aber keine 79,99 € am ersten Tag wert.

Wertung: 7/10

Bild: Sam Howzit / CC BY 2.0, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:MegaCon_2010_-_Wolverine_(4572050910).jpg