Marvel Tokon: Fighting Souls im Test - starker Prügler, mieser Start
Arc System Works liefert das beste Tag-Team-Kampfspiel seit Jahren, verpackt in einen ruckelnden PC-Port, einen PlayStation-Kontozwang und 69,99 Euro Preisschild. Wertung: 7/10.
Luka Perić
Saturday, August 8, 2026

Ich warte seit Jahren auf ein richtiges Marvel-Kampfspiel, und Marvel Tokon: Fighting Souls kommt dem sehr nahe. Entwickelt von Arc System Works gemeinsam mit PlayStation Studios XDev, herausgegeben von Sony Interactive Entertainment, erschien es am 6. August 2026 für PS5 und PC (Steam und Epic Games Store). Es ist ein 2.5D-4v4-Tag-Team-Prügler mit 20 Charakteren zum Start, aufgeteilt in fünf Viererteams, weitere sind bereits als DLC bestätigt.
Das Kämpfen ist mit Abstand das Beste
Arc System Works kennt sein Handwerk, und das merkt man in den ersten zehn Minuten. Tokon sieht aus wie eine Comicseite, die laufen gelernt hat: dicke Konturen, absurde bildschirmfüllende Supers, eine Kamera, die bei großen Treffern hineinschnellt. Wichtiger ist aber, dass das Spiel schnell ist, ohne unübersichtlich zu werden. Vier Kämpfer pro Seite klingt nach Chaos und ist es manchmal auch, doch das Assist- und Tag-System sorgt dafür, dass man immer weiß, wer gerade auf dem Bildschirm steht und warum. Spider-Man, der eine Ecken-Serie unterbricht, Doctor Doom, der eine Projektilwand hält, während der Hauptcharakter zurücksetzt - genau solche Momente jagen Marvel-vs.-Capcom-Fans seit 2011.
Einsteiger werden hier zudem besser behandelt als in den meisten Anime-Prüglern. Es gibt vereinfachte Eingaben, wirklich brauchbare Charakter-Guides und einen Trainingsmodus, der Combo-Logik erklärt, statt nur eine Puppe hinzustellen. Der Episode-Modus ist erzählerisch dünn, aber Arcade, All-Star Arena und Arcadia Rumble bieten genug Gründe, das Spiel auch offline installiert zu lassen. Rollback-Netcode ist an Bord, Crossplay funktioniert, und meine Online-Sets auf der PS5 liefen sauber.
Und dann alles drumherum
Die PC-Fassung ist das Problem. Mikroruckler in Matches sind häufig, manche Spieler bekommen das Spiel gar nicht erst gestartet, und der Anti-Cheat sperrt Linux und Steam Deck derzeit komplett aus. In einem Genre, in dem ein einziger verlorener Frame über die Bestrafung entscheidet, ist das kein kosmetischer Mangel, sondern ein Konstruktionsfehler. Die Steam-Nutzer sagen es deutlich: Zum Zeitpunkt dieses Tests steht das Spiel auf "Ausgeglichen" mit rund 43 Prozent positiven Bewertungen, gefährlich nah am negativen Bereich.
Der Rest des Ärgers betrifft Hürden, die Sony selbst eingebaut hat. Für Online-Lobbys, Ranked, Casual und private Räume ist am PC ein PlayStation-Konto Pflicht. Und der Preis ist bei uns wirklich schwer zu verteidigen: 69,99 Euro für die Standardfassung, 94,99 für Digital Deluxe, 109,99 für Ultimate - bei 20 Charakteren und bereits angekündigten Bezahl-Kämpfern. Das ist viel Geld für ein Kampfspiel, das noch Patches braucht.
Fazit
Unter dem Chaos steckt ein hervorragender Prügler - das aufregendste Tag-Spiel seit Dragon Ball FighterZ und das einzige Marvel-Projekt seit einem Jahrzehnt, das die Vorlage mechanisch ernst nimmt. Aber ich bewerte, was erschienen ist, nicht das, was im November erscheinen wird. Auf der PS5 eine klare Empfehlung. Am PC: zwei Patches und einen Sale abwarten. Tolles Spiel, schlampiger Start.
Wertung: 7/10
Bild: Arcade Perfect / CC BY 2.0, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Retrovolt_Arcade_2017_-_Arcade_Machines_1.jpg