Nivalis Nights im Test: Gemütlicher Cyberpunk mit zu viel Küche
Die Cloudpunk-Macher tauschen Lieferfahrten gegen Nudelstände und Nachtclubs. Die Stadt ist wunderschön und der Spielablauf entspannend, doch das Management überlagert die Stimmung und die PC-Anforderungen sind hoch. Wertung: 7/10.
Luka Perić
Wednesday, September 30, 2026

Vor sechs Jahren hat mich *Cloudpunk* im Schwebeauto durch die vertikale Neonstadt Nivalis geschickt, um Pakete auszuliefern und den traurigen Geschichten Fremder zuzuhören. Nivalis Nights führt euch in dieselbe Stadt zurück, aber diesmal landet ihr, parkt und eröffnet einen Nudelstand. Entwickelt vom Berliner Studio ION LANDS und veröffentlicht von 505 Games, ist es am 29. September auf Steam erschienen; eine Version für den Epic Games Store soll später folgen. Vor dem Release hatte es über eine Million Wunschlisteneinträge, die Erwartungen waren also hoch.
Worum es geht
Eine Cyberpunk-Alltagssimulation. Ihr startet klein mit einem Straßenimbiss und arbeitet euch zu Restaurants, Bars und Nachtclubs hoch. Drumherum besorgt ihr Zutaten durch Einkaufen, Anbauen oder Angeln, richtet eure Wohnung ein, schließt Freundschaften (oder mehr) mit den Bewohnern, spielt Minispiele gegen NPCs und tretet sogar bei einem Schachturnier an. Unterwegs seid ihr zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder per Boot durch die Hafenviertel. Das Spiel ist weitgehend offen: Es sagt euch selten, was als Nächstes kommt.
Die Stärken
Die Stadt ist der Star, genau wie in *Cloudpunk*. Der Voxel-Stil von ION LANDS mit groben Pixeln und weichem Neondunst sieht auf Straßenhöhe sogar noch besser aus. Nachts an den Kanälen entlangzulaufen, Regen auf dem Wasser, während neben euch ein Verkäufer mit einer Drohne streitet - diese Stimmung hat kein großes Cyberpunk-Spiel so richtig hinbekommen. Die Texte haben immer noch diesen melancholischen Zug, und die Figuren, die ich in meinen ersten langen Sessions kennengelernt habe, waren die Zeit wert.
Der frühe Geschäftskreislauf beruhigt im besten Sinne: einkaufen, kochen, servieren, reinvestieren, wiederholen. Ein typisches "Nur noch eine Nachtschicht"-Spiel.
Die Schwächen
Das Management frisst den Rest des Spiels. Sobald euer Geschäft wächst, geht viel zu viel vom Abend für Speisekarten, Lager und Personal drauf, und die düstere, leicht gefährliche Stadt aus den Trailern verkommt zur hübschen Kulisse für Tabellen. Einige Spieler auf Steam beklagen dasselbe - dass der dunklere Ton früherer Aufnahmen glattgeschliffen wurde -, und ich sehe das genauso. Wer auf *Cloudpunk 2* gehofft hat, bekommt es hier nicht.
Das zweite Problem ist die Performance. Die Mindestanforderungen verlangen 16 GB RAM und eine GTX 1660 Super, empfohlen wird eine RTX 4070, und die Installation belegt 42 GB - happig für ein Voxel-Spiel. Die bisherigen Spielerberichte reichen von flüssig bis holprig, also prüft zuerst eure Hardware.
Preis und Verfügbarkeit
Bei uns kostet es auf Steam 24,99 Euro, zum Start mit Launch-Rabatt. Deutsche Texte/Untertitel sind an Bord, die Sprachausgabe gibt es nur auf Englisch. Für den Umfang ist das ein fairer Preis, sofern euer PC mitspielt.
Fazit
Nivalis Nights ist ein schöner Ort zum Leben und ein etwas weniger schöner Ort, um ein Geschäft zu führen. Wer eine gemütliche Managementsimulation in einem ungewöhnlichen, atmosphärischen Setting sucht, greift zu. Wer wegen des Noir gekommen ist, wartet auf Patches und schaut, wohin die Updates führen.
Wertung: 7/10
Bild: PattayaPatrol / CC BY-SA 4.0, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:DFC_0505_Neon-lit_city_street_at_night_reflected_in_a_rain_puddle_colorful_signs_and_lights_mirrored_on_the_wet_pavement.jpg