Sony erinnert uns ans Nichtbesitzen - genau zum Start des Boykotts
Sony schickte Spielern unaufgefordert die Erinnerung, dass digitale Spiele nur lizenziert sind - Tage vor dem #PSBlackout gegen das Disc-Aus 2028. Bei uns war physische Ware nie Nostalgie, sondern der bezahlbare Einstieg.
Jakov Mikelić
Monday, August 24, 2026

Es gibt schlechtes Timing, und dann gibt es das: Man schickt seiner gesamten Nutzerbasis eine juristische Erinnerung daran, dass ihre Spielebibliothek nur eine widerrufliche Lizenz ist - fünf Tage vor einem organisierten Boykott, bei dem es genau darum geht.
Ungefähr so lief es bei PlayStation. Nutzer bekamen unaufgefordert eine Mail im Stil von "Sie haben kürzlich die folgenden PlayStation-Bedingungen akzeptiert", samt Nutzungsbedingungen und EULA, in denen schwarz auf weiß steht, dass ein digitaler Kauf eine begrenzte, nicht übertragbare persönliche Lizenz ist. Kein Weiterverkauf. Kein Verleihen. Am 23. August startete dann der #PSBlackout - eine einwöchige Protestaktion der Preservation-Gruppe DoesItPlay, die Spieler auffordert, sich vom PSN abzumelden, nichts Digitales zu kaufen und Abos zu pausieren. Auslöser: Sonys Plan, ab 2028 keine neuen PlayStation-Discs mehr zu produzieren.
Ich glaube nicht, dass die Mail eine Provokation war. Sie liest sich wie eine automatisierte Rechtsbenachrichtigung. Das ist fast schlimmer - es heißt, dass in diesem Konzern niemand gemerkt hat, welche Woche gerade ist.
Warum Discs bei uns keine Nostalgie sind
Im englischsprachigen Raum wird diese Debatte meist als Sammlerthema geführt. Regale, Box-Art, der Geruch eines Handbuchs. Geschenkt. Aber darum geht es in unserer Region nicht.
Ein Vollpreisspiel kostet bei uns ungefähr so viel wie in München oder Amsterdam. Das Gehalt nicht. Diese Lücke haben immer die Dinge geschlossen, die nur mit einer Disc gehen: gebraucht kaufen, nach dem Durchspielen weiterverkaufen, einem Freund für zwei Wochen ausleihen, im Laden eine Abverkaufsaktion mitnehmen, die der digitale Store nie mitgemacht hat. Eine ganze Spielergeneration hier hat ihre Sammlung genau so aufgebaut. Schafft man das Physische ab, killt man den Wiederverkaufswert von allem im Regal - und dazu jenes informelle Verleihnetz, das die Zahl der tatsächlich gespielten Titel pro Haushalt still und leise verdoppelt hat.
Digital-only gibt außerdem die Preishoheit an eine einzige Partei ab. Bei Discs konkurrieren Händler miteinander. Im PSN nicht - und der Preis eines zwei Jahre alten Spiels bleibt hartnäckig dort, wo Sony ihn haben will, bis eine Sale-Aktion etwas anderes sagt.
Dazu kommt der Teil, über den in keiner Bilanzkonferenz gesprochen wird: was passiert, wenn ein Store schließt, eine Lizenz ausläuft oder ein Spiel aus dem Angebot fliegt. Die Disc dreht sich weiter. Die Lizenz nicht.
Sonys Finanzchefin Lin Tao hat gesagt, das Unternehmen verstehe die starken Gefühle rund um Spielearchivierung, der Schritt folge aber breiteren Trends im digitalen Medienkonsum. Das ist die Konzernformulierung für: Der Trend ist real und die Margen sind besser - beides stimmt. Streaming hat mit Musik und Film dasselbe gemacht. Der Unterschied ist, dass man eine CD immer noch kaufen kann.
Wird eine Woche mit ausgeschalteten Konsolen etwas ändern? Ehrlich gesagt nein. Sonys Quartal wird das nicht spüren. Solche Proteste sind ein Signal, kein Hebel, und dieses Signal richtet sich weniger an 2026 als an jene, die gerade die nächste Konsole spezifizieren - die vielleicht gar kein Laufwerk mehr hat.
Ich kaufe oft digital. Bequemlichkeit ist ein echtes Argument. Ich hätte nur gern, dass es eine Wahl bleibt und nicht die einzige verbliebene Tür - und dass mir keine automatisierte Mail erklärt, wie wenig diese Wahl je wert war.
Bild: Xephuwu / CC BY-SA 4.0, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:KontrolerDualSense.jpg