Stop Killing Games unterstützt Klage gegen Sonys digitales Store-"Monopol" - und das betrifft auch uns
Die Kampagne, die man vom Kampf gegen Server-Abschaltungen kennt, schließt sich einer niederländischen Klage an: Sony soll für digitale PlayStation-Spiele zu viel verlangen. Da physische Discs auslaufen, ist der Fall für Spieler in der ganzen EU relevant - auch in unserer Region.
Jakov Mikelić
Thursday, August 13, 2026

Wer jemals ein durchgespieltes PlayStation-Spiel gebraucht verkauft oder eine gebrauchte Kopie gekauft hat, um zwanzig Euro zu sparen, den geht diese Geschichte mehr an als die meisten Schlagzeilen dieser Woche.
Stop Killing Games - die Graswurzel-Kampagne, die man vor allem vom Kampf gegen Publisher kennt, die Spieleserver abschalten - hat sich in den Niederlanden einer Klage gegen Sony angeschlossen. Eingereicht wurde der Fall von der Verbraucherschutzstiftung Stichting Massaschade & Consument im Namen von rund 1,7 Millionen niederländischen PlayStation-Nutzern. Es geht um etwas Größeres als ein einzelnes Spiel: um den Vorwurf, Sony halte ein Monopol auf den Verkauf digitaler Spiele auf der eigenen Konsole.
Das Argument ist simpel. Auf der PlayStation lassen sich digitale Spiele ausschließlich über Sonys eigenen Store kaufen. Keine konkurrierenden Shops, kein Preisdruck. Laut der Stiftung hat dieses geschlossene System Sony erlaubt, deutlich mehr zu verlangen, als ein wettbewerbsfähiger Markt zulassen würde - die Rede ist von bis zu 47 Prozent -, und die Klage fordert im Namen der betroffenen Spieler über 400 Millionen Euro.
Das Timing spielt hier eine große Rolle. Die Kampagne "Fair PlayStation" startete lange bevor Sony ankündigte, physische PlayStation-Discs auslaufen zu lassen - aber genau diese Entscheidung hat den Fall zurück ins Rampenlicht gerückt. Sind die Discs erst weg, gibt es keine Alternative mehr: keine Konkurrenz im Handel, keinen Gebrauchtmarkt, kein Verleihen an Freunde. Welcher Preis auch immer im PlayStation Store steht - das ist dann der Preis.
Warum ein niederländisches Urteil auch in unserer Region zählt
Formal betrifft die Klage nur die Niederlande. Aber die Niederlande sind EU-Mitglied, und das Verbraucherrecht, auf das sie sich stützt, ruht auf denselben Grundlagen wie unseres. Stellt ein Gericht dort fest, dass ein geschlossener digitaler Store die Preise verzerrt, macht diese Begründung an der niederländischen Grenze nicht halt - sie wird zur Munition für Regulierer und Verbraucherschützer in der ganzen Union.
Und seien wir ehrlich: Kleinere EU-Märkte spüren geschlossene Store-Preise härter als reiche. Bei uns zahlt man für eine Neuerscheinung oft dieselben 79,99 Euro wie in Deutschland - bei spürbar dünnerem Geldbeutel. Der stationäre Handel und der Gebrauchtmarkt waren immer unser Ventil, der Weg, wie sich ein normaler Spieler dieses teure Hobby überhaupt leisten kann. Eine PlayStation ohne Discs entfernt dieses Ventil komplett - und genau darum geht es in dieser Klage.
Ich erwarte keine Wunder. Die erste Anhörung im Juni war rein prozedural, Sony wird sich jahrelang wehren, und Sammelklagen dieser Größenordnung bewegen sich im Schneckentempo. Aber Stop Killing Games hat bereits gezeigt, dass organisierter Druck wirkt - die Petition der Initiative hat die EU gezwungen, sich offiziell mit Server-Abschaltungen zu befassen. Mit diesem Schritt weitet sich der Kampf aus: von "Darf ich weiterspielen, was ich gekauft habe?" zu "Wie viel habe ich dafür eigentlich zu viel bezahlt?"
Mit einem Scheck von Sony rechne ich ohnehin nicht. Aber dass endlich jemand eine Zahl - 47 Prozent - auf die Kosten eines geschlossenen Stores setzt, ist mehr wert als ein weiterer wütender Forenthread.
Bild: Xephuwu / CC BY-SA 4.0, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:KontrolerDualSense.jpg