The Mermaid Mask Test: Der beste Whodunnit des Jahres
SFB Games wirft Detektiv Grimoire in einen Mord hinter verschlossener Tür an Bord des seltsamsten U-Boots der Spielegeschichte. Das Ergebnis ist witziger, schöner und schärfer als Tangle Tower je war - löst sich aber zu bereitwillig selbst. Wertung: 9/10
Luka Perić
Saturday, August 8, 2026

Worum es geht
The Mermaid Mask ist ein handgemachtes Point-and-Click-Krimiabenteuer von SFB Games, dem Brüderduo Tom und Adam Vian, das für *Tangle Tower*, *Snipperclips* und den Kult-Horrorhit *Crow Country* verantwortlich ist. Es erschien am 16. Juli 2026 für PC, PS5, Switch und Switch 2 und kostet auf Steam 20,49 Euro.
Es ist der dritte Fall für Detektiv Grimoire und seine Assistentin Sally. Die Ausgangslage: Kapitän Mortuga liegt tot neben einem uralten Kessel in einem versiegelten Raum, an Bord eines U-Boots, dessen Besatzung ausschließlich aus Leuten besteht, die allen Grund hatten, ihn loszuwerden. Niemand konnte hinein. Jemand war offensichtlich drin.
Wie es sich spielt
Wer *Tangle Tower* kennt, kennt das Muster. Ihr durchstreift einen festen Satz handgemalter Räume, klickt auf alles, sammelt Indizien, die als kleine 3D-Objekte auftauchen und sich in den Händen drehen lassen, und tragt sie dann zu den Verdächtigen, um deren Geschichten einbrechen zu sehen. Die Verhöre sind das Herzstück. Das Rätseln besteht größtenteils darin, den richtigen Beweis der richtigen Lüge zuzuordnen.
Deutlich gewachsen sind Drehbuch und Inszenierung. Das Spiel ist vollvertont, und der Sprechercast ist hervorragend - nicht "gut für ein Indie", sondern schlicht gut. Das U-Boot ist eine famose Bühne, eine enge Metallröhre, in der man permanent über dieselben sieben Sonderlinge stolpert und langsam lernt, ihre Ticks zu lesen. Die Musik, eingespielt vom Budapest Art Orchestra, leistet viel stille Arbeit und lässt die Komödie im richtigen Moment echt unheimlich werden.
Hier steckt Handwerk drin. Jede Schublade hat eine eigene Dialogzeile. Nichts ist Füllmaterial.
Die Stärken
Es ist witzig. Richtig witzig, auf jene trockene Art, an der die meisten Detektivspiele scheitern. Und anders als viele Adventures, die sich hinter Absurdität verstecken, ist die Lösung dieses Mordes fair, sauber und befriedigend - ungefähr die Hälfte hatte ich raus, bevor das Spiel es mir sagte, und genau dieses Verhältnis will man haben. Der Schlussakt räumt mehrere frühere Szenen um, ohne zu schummeln.
Acht bis zwölf Stunden für den Hauptfall, und es hängt an keiner Stelle durch.
Die Schwächen
Mein einziger echter Kritikpunkt: Es ist zu großzügig. Das Spiel hat solche Angst davor, dass ihr hängen bleibt, dass es permanent anstupst, bestätigt und gratuliert. Grimoire spricht die Schlussfolgerung häufig einen Takt früher aus, als ihr es selbst getan hättet. Deduktion heißt hier oft eher, alle Dialogoptionen durchzugehen, bis die richtige aufleuchtet, als tatsächlich nachzudenken. Wer härtere Mysterien mag - *Return of the Obra Dinn*, *The Case of the Golden Idol* - wird das weich finden.
Außerdem erwähnenswert: Der Text ist in zwölf Sprachen lokalisiert, Deutsch inklusive, die Sprachausgabe gibt es aber ausschließlich auf Englisch. Bei einem derart redseligen Spiel heißt das viel Mitlesen.
Fazit
Das ist das Beste, was SFB Games je gemacht hat, und eines der schlicht vergnüglichsten Adventures der letzten Jahre. Warmherzig, wunderschön, ehrlich geistreich und gnadenlos frei von Leerlauf. Würde es seinen Spielern etwas mehr zutrauen, wäre es makellos. Kauft es trotzdem.
Wertung: 9/10
Bild: George Chernilevsky / Public domain, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Submarine_M-296_2016_G2.jpg