The Sinking City 2 im Test: Frogwares tauscht Detektivarbeit gegen blankes Grauen
Frogwares macht aus seiner Lovecraft-Reihe echten Survival-Horror - ein ertrunkenes Arkham der 1920er, echte Kämpfe, echte Spannung. Etwas AA-Holprigkeit bleibt, aber der Kurswechsel funktioniert. Wertung: 8/10.
Luka Perić
Wednesday, August 19, 2026

Es gibt Kontext, den man kennen sollte, bevor wir über Monster reden: The Sinking City 2 wurde von Frogwares gebaut, einem Studio in der Ukraine, zwischen Stromausfällen und der Vertreibung von Mitarbeitern, teilweise finanziert über einen Kickstarter, den der CEO offen als finanzielles Sicherheitsnetz bezeichnete. Ich vergebe keine Wertungen aus Mitgefühl - aber es sei vorweg gesagt: Dass dieses Spiel überhaupt existiert, ist bemerkenswert. Die bessere Nachricht: Es ist auch gut.
Was es ist
Erschienen am 18. August für PS5, Xbox Series X|S und PC für 49,99 Dollar (diesmal ohne Game Pass), ist The Sinking City 2 ein kompletter Genre-Schwenk. Das Original von 2019 war ein Detektivspiel mit unbeholfen angeschraubtem Kampf; der Nachfolger ist ein Survival-Horror mit optionalem Ermittlungssystem. Ihr erkundet ein halboffenes, übernatürlich überflutetes Arkham der 1920er - ertrunkene Gassen, schiefe Häuser, Dinge im Wasser -, sammelt Ressourcen, haushaltet mit Munition und wählt zwischen Schusswaffen, Nahkampf und Flucht. Die Geschichte steht für sich, Neueinsteiger verpassen nichts.
Was funktioniert
Die Atmosphäre ist der Star. Mit Unreal Engine 5 hat Frogwares die mit Abstand schönste Stadt seiner Geschichte gebaut, und Arkham wirkt echt bedrückend - nass, verrottet, falsch. Die Survival-Horror-Schleife hat Zähne: Munition ist knapp genug, dass jede Begegnung eine Entscheidung ist, und das Gegnerdesign setzt auf lovecraftschen Body-Horror, ohne zur Schießbude zu verkommen. Entscheidend: Die optionale Detektiv-Ebene ist der klügste Kompromiss - wer die Deduktion des ersten Teils liebte, findet sie weiterhin bei Geheimnissen und Nebeninhalten; wer nicht, wird nie von ihr aufgehalten. So sieht ein Studio aus, das aus Kritik lernt.
Was nicht funktioniert
Das hier ist immer noch AA-Territorium. Animationen wirken steif, manche Bosskämpfe dauern zu lange, und der Mittelteil hängt durch - zu viel Hin und Her über die überflutete Karte. Das Gunplay ist brauchbar statt präzise - näher am Klobigen früher Resident-Evil-Teile als an moderner Schärfe, was mal gewollt wirkt und mal einfach alt. Die Kritiken landeten bei 79-84 auf Metacritic, und diese Spanne ist ehrlich.
Preis und Gegenwert
Mit 49,99 Dollar unterbietet das Spiel Vollpreis-AAA-Titel und liefert trotzdem eine üppige Kampagne - und bei uns zählt dieser Preisunterschied in diesem Herbst wirklich, denn der Release-Kalender wird gleich teuer. Diesmal gibt es aber keine Abo-Abkürzung - kaufen oder lassen.
Fazit
The Sinking City 2 ist das Spiel, mit dem Frogwares seit einem Jahrzehnt droht: ein echter lovecraftscher Survival-Horror mit eigener Identität. Raue Kanten und ein durchhängender Mittelteil halten es aus der Spitzenklasse fern, aber für Horror-Fans ist das eine klare Empfehlung - und das Beste, was dieses Studio je ausgeliefert hat.
Wertung: 8/10
Bild: Will Hart from Fullerton, U.S.A. / CC BY 2.0, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Prospect_Terrace_Looking_South-West_Toward_Downtown.jpg