Remothered: Red Nun's Legacy im Test: Ein würdiges, aber holpriges Finale
Stormind schließt seine Stalker-Horror-Trilogie mit Hypnose-Kräften, einer sizilianischen Villa und einem Soundtrack von Akira Yamaoka ab. Die Reihe wirkt so selbstbewusst wie nie - und nervt noch immer, wenn die Verfolgungsjagden haken. Wertung: 7/10.
Luka Perić
Tuesday, October 27, 2026

Remothered war schon immer die Horrorreihe für alle, denen Resident Evil mit Schrotflinten zu gemütlich geworden ist. Man versteckt sich, rennt, hält im Kleiderschrank den Atem an, während draußen jemand ein Wiegenlied summt. Red Nun's Legacy erscheint heute (27. Oktober 2026) für PC (Steam, Epic, GOG), PS5, Xbox Series X|S und Switch 2 und ist das letzte Kapitel von Stormind Games - laut Studio braucht man die beiden Vorgänger nicht, um mitzukommen.
Die Ausgangslage
Ihr spielt Susan, eine Mutter, die einer Aufnahme nachgeht, nach der ihre seit über einem Jahr verschwundene Tochter noch leben könnte. Auf Sizilien sind sechs Mädchen verschwunden, und die Spur endet in einer verfallenden Adelsresidenz an den Hängen des Ätna, die einst mit der Familie Ashmann verbunden war. Klassisches Remothered: ein wunderschönes, morsches Haus, eine Riege geistesgestörter Verfolger und eine Geschichte irgendwo zwischen Giallo-Kino und Fiebertraum.
So spielt es sich
Der Ablauf ist vertraut - Räume erkunden, Hinweise und Schlüsselgegenstände sammeln, Rätsel lösen und dem ausweichen, der gerade Jagd auf euch macht. In engen Situationen könnt ihr euch wehren, aber das ist Notlösung, keine Strategie. Die eigentliche Neuerung ist Hypnose: Retrokognition, mit der ihr seht, was in einem Raum geschehen ist, Spiegel-Fähigkeiten und die Kontrolle über Motten. In den besten Momenten wird die Villa so zu einer vielschichtigen Rätselkiste - eine Wand ist nie nur eine Wand, wenn man in ihre Vergangenheit blicken kann.
Und Akira Yamaoka am Soundtrack ist kein bloßer Werbepunkt. Die Musik trägt enorm viel, gerade in den ruhigen Passagen, in denen euch noch nichts verfolgt, aber alles darauf hindeutet.
Stärken
- Die Villa ist der Star: dicht, gut lesbar, sobald man sie kennt, und wirklich unheimlich. - Die Hypnose-Kräfte geben den Rätseln eine zweite Ebene statt nur Gimmick zu sein. - Einsteiger können hier beginnen. - Deutsche Benutzeroberfläche und Untertitel (englische Sprachausgabe) - wichtig bei so viel Dialog.
Schwächen
Stalker-Horror steht und fällt mit dem Verfolger, und genau hier hat die Reihe immer gewackelt. Wenn die Jagd funktioniert, ist sie herrlich angespannt. Wenn nicht, kommt der alte Remothered-Frust zurück: eine Begegnung, die willkürlich wirkt, ein Neuversuch und ein langer Weg zurück. Die Option, sich zu wehren, mildert das etwas ab, aber Trial and Error bleibt Teil des Menüs. Dazu setzt das Writing stark auf Melodram - wen der Ton der Vorgänger nicht abgeholt hat, den holt auch dieser Teil nicht ab.
Für wen?
Für Fans von Clock Tower, Haunting Ground und den ersten beiden Remothered-Teilen - unbedingt. Neulinge, die langsamen, rätsellastigen Horror mögen, finden einen soliden Einstieg. Wer Action-Horror sucht, ist hier falsch. Bei uns gibt es deutsche Texte und Untertitel, englische Sprachausgabe. Wer zur Box greift: Die Box-Version für Switch 2 folgt in Europa am 3. Dezember und wird vom Handel als Game-Key Card gelistet.
Fazit
Das selbstbewussteste Remothered bisher, mit einem großartigen Haus und klugen neuen Kräften - ausgebremst von denselben Verfolgungsfrust-Momenten, die die Reihe seit 2018 begleiten. Ein würdiges Finale, aber kein makelloses.
Wertung: 7/10
Bild: Pavel Kirillov from St.Petersburg, Russia / CC BY-SA 2.0, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:An_abandoned_mansion_(24275053885).jpg



