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Bewertung

Virtue and a Sledgehammer im Test: Starke Wut, schwacher Schlag

Das Abriss-Drama von Deconstructeam bietet eine bittere Familiengeschichte und herrlich einstürzende Mauern, doch langsames Gehen und steife Kämpfe stehen ihm im Weg. Wertung: 7/10.

Luka Perić

Friday, October 30, 2026

Virtue and a Sledgehammer im Test: Starke Wut, schwacher Schlag

Die meisten Spiele über Trauer drücken dir ein Tagebuch in die Hand. Virtue and a Sledgehammer gibt dir einen Vorschlaghammer und zeigt auf das Dorf, in dem du aufgewachsen bist. Seit dem 27. Oktober ist es auf Steam erhältlich, entwickelt von Deconstructeam (The Red Strings Club, The Cosmic Wheel Sisterhood) und Selkie Harbour (Many Nights a Whisper), veröffentlicht von Devolver. Bei uns kostet es 14,99 Euro und dauert rund drei Stunden.

*Hinweis zur Methode: Diese Wertung stützt sich auf Testberichte zum Start, Material der Entwickler und Eindrücke aus der Demo, nicht auf einen eigenen vollständigen Durchgang. Die Schlüsse, die ich daraus ziehe, sind meine eigenen.*

Worum es geht

Du spielst Pratelle, die ihre tote Mutter nach Hause fährt und einen Unfall baut, nachdem sie zwei Roboter überfahren hat. Zu Fuß sucht sie weiter nach ihrer Schwester Nina, der Frau hinter einem Projekt, das die Nachbarn in kantige weiße Androiden mit Textanzeigen statt Gesichtern digitalisiert hat. Türen benutzt Pratelle nicht. Mauern, Fenster und Häuser sind einfach nur Wege.

Der clevere Teil ist das, was die Zerstörung freilegt. Gläserne Formen in den Trümmern ziehen dich in Erinnerungen, in denen du auf Fragen von Nina und deiner Mutter antwortest, und diese Antworten legen nach und nach fest, wer Pratelle ist. Das ist das Gespür des Studios für interaktive Fiktion, nur dass es von Pixel-Art zu Cel-Shading in 3D gewechselt ist und einen sehr großen Hammer bekommen hat.

Die Stärken

Die Texte sind der Grund, warum es dieses Spiel gibt. Eine schlichte Rachegeschichte wird langsam zu einem Streit darüber, ob Erinnerung, Persönlichkeit und Gefühl ausreichen, um jemanden zur Person zu machen, und die Androiden sind das perfekte Mittel dafür. Manche fliehen, manche kämpfen, manche zanken mit dir, und manche pflegen einfach ihren Garten, während in alten Steinhäusern die Server summen. Sie niederzureißen müsste sich großartig anfühlen, und genau das ist das Problem, das du haben sollst. Als Kommentar zu KI und dazu, was Familien einander antun, ist das deutlich mutiger als die meisten teuren Geschichten dieses Jahres.

Auch die einstürzenden Mauern verdienen Lob. Das Spektakel leistet hier echte erzählerische Arbeit, und das ist selten.

Die Schwächen

Die Hände sind schwächer als der Kopf. Pratelle kann nicht rennen, was zur Stimmung passt, bis du dieselbe Strecke noch einmal gehst. Der Kampf besteht aus einem aufgeladenen Schlag mit langer Erholung, nervt, sobald dich mehrere Androiden bedrängen, und den Treffern an Robotern fehlt offenbar die Wucht. Wirklich sterben kannst du auch nicht, also sind Kämpfe Reibung ohne Einsatz. Langsames Gehen ist eine legitime künstlerische Entscheidung, aber bei drei Stunden Spielzeit fällt jede verschwendete Minute auf.

Auch die Geschichte hat eine Schwachstelle. Pratelle wird als Außenseiterin dargestellt, doch viele Erinnerungen zeigen, wie liebevoll man sie behandelt, sodass die Wut, die die Handlung antreibt, nicht ganz verdient wirkt. Das kann man als Absicht lesen, aber nicht immer mit Vergnügen.

Technisch lief das Spiel zum Start schlecht, ein Patch am selben Tag hat das deutlich verbessert. Es trägt das Siegel Steam Deck Verified, allerdings ist die Akkulaufzeit nicht seine Stärke.

Für wen es ist

Wenn du The Red Strings Club oder The Cosmic Wheel Sisterhood mochtest und auf Pixel-Art verzichten kannst, greif zu. Wer eine Abriss-Machtfantasie sucht, wird enttäuscht, denn das Spiel fragt ständig, warum du das tust. Vorerst gibt es es nur für den PC. Auf der Steam-Seite steht eine kostenlose Demo bereit, also teste damit das langsame Gehen und die Kämpfe, bevor du Geld ausgibst.

Fazit: eine mutige, unbequeme kleine Geschichte, die härter zuschlägt, als sie sich spielt. Einen Abend und 15 Euro wert, solange du wegen der Fragen kommst und nicht wegen des Hammers.

Wertung: 7/10

Bild: Gareth James / CC BY-SA 2.0, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Demolished_building_near_Tylorstown_Tip_-_geograph.org.uk_-_4413717.jpg

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