Well Dweller im Test: Das Beste, was ihr im vollen September verpasst habt
Kyle Thompson, Macher von Crypt Custodian und Islets, meldet sich mit einem düsteren Märchen-Metroidvania über einen winzigen Vogel mit Streichholz zurück. Nichts Revolutionäres, aber poliert, witzig und eine Freude zu erkunden. Wertung: 8/10.
Luka Perić
Saturday, October 3, 2026

Der September 2026 hat viele Spiele unter Wolverine, Silent Hill und Control begraben. Well Dweller ist das, welches ich als Erstes wieder ausgraben würde. Es ist das neue Metroidvania von Solo-Entwickler Kyle Thompson - dem Kopf hinter *Crypt Custodian* und *Islets* -, veröffentlicht von Top Hat Studios. Erschienen ist es am 22. September 2026 für PC (Steam, GOG), PS5, Xbox Series X|S, Switch und Switch 2, dazu ab Tag eins im Game Pass. Preislich ist es ein typisches Budget-Indie: Auf Steam startete es mit 15 % Rabatt und einem Bundle mit Crypt Custodian.
Worum es geht
Man spielt Glimmer, einen sehr kleinen Vogel, der am Grund eines Brunnens lebt und genau eine Sache besitzt: ein Streichholz. Oben plant eine böse Königin, Glimmers Familie in Teile ihrer Garderobe zu verwandeln, also ist der Plan simpel - rausklettern und sie anzünden. Eine finstere Prämisse, mit ernster Miene und vielen Witzen erzählt, und die seltsamen Bewohner dieses tristen Königinreichs sind die halbe Motivation weiterzuspielen.
Wie es sich spielt
Das Streichholz ist der Clou. Es ist Waffe und Lichtquelle zugleich, also enthüllt dasselbe Werkzeug, mit dem man Gegner piekst, auch Vorsprünge, Geheimnisse und gelegentlich Dinge, die man lieber nicht gesehen hätte. Die Kämpfe sind flott, die Steuerung präzise, und neue Fähigkeiten kommen in gleichmäßigem Takt, wobei jede bereits besuchte Räume neu einordnet. Das ist der Kern des Genres, und Thompson weiß genau, wie man ihn dosiert: "Nur noch ein Raum" habe ich weit nach Mitternacht noch gesagt.
Handgezeichnete Grafik und Animationen leisten viel. Alles wirkt wie ein leicht unheimliches Bilderbuch, und die Musik trifft diese Stimmung perfekt. Die Bosse sind das Highlight - einfallsreich, gut lesbar und meistens fair. Einstellbarer Schwierigkeitsgrad und solide Barrierefreiheitsoptionen erlauben es, die Herausforderung anzupassen, statt daran abzuprallen.
Wo es wehtut
Seien wir ehrlich: Well Dweller erfindet nichts. Wer Hollow Knight, Crypt Custodian oder irgendein ordentliches Metroidvania der letzten zehn Jahre gespielt hat, erkennt jedes System wieder. Es gibt einige böse Schwierigkeitsspitzen, in denen die Kämpfe eher frustrieren als fesseln, und das späte Spiel verlangt einiges an Backtracking durch bereits gesäuberte Gebiete.
Für wen es ist
Für alle, die das Genre mögen, Punkt. Game-Pass-Abonnenten haben keine Ausrede, es nicht zu probieren, und auf Steam kostet es bei uns weniger als ein Abend in der Kneipe. Wer noch nie ein Metroidvania gespielt hat, findet hier einen freundlicheren Einstieg als bei den meisten.
Fazit
Nicht das originellste Spiel des Jahres, aber eines der charmantesten und am besten gebauten. Große Studios haben diesen Monat Hunderte Millionen ausgegeben; ein Entwickler mit einem Streichholz hat locker mitgehalten.
Wertung: 8/10
Bild: Maja Dumat from Deutschland (Germany) / CC BY 2.0, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Burning_matchstick_2010.jpg