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Bewertung

Crymelight im Test: Ein Pokerblatt in einem sehr düsteren Wunderland

FuRyus drittes CRY-Spiel tauscht aufgeblähtes JRPG gegen ein kompaktes Action-Roguelite mit Poker-Builds. Das Kampfsystem sitzt, die Story ist schwer, die Wiederholung nervt. Wertung: 7/10.

Luka Perić

Thursday, November 5, 2026

Crymelight im Test: Ein Pokerblatt in einem sehr düsteren Wunderland

FuRyus CRY-Reihe war schon immer ein seltsames Konzept: traurige Anime-Mädchen, brutale Action und Weinen als Spielmechanik. Crystar und Crymachina waren interessant, aber zäh gestreckte JRPGs. Crymelight, seit dem 5. November für PS5, Switch 2 und PC (Steam) erhältlich und gemeinsam mit der Winning Entertainment Group entwickelt, speckt endlich ab - es ist ein Action-Roguelite, und dieses Format steht der Reihe deutlich besser, als ich erwartet hatte.

Die Ausgangslage

Das Wunderland ist hier kein Kinderbuch, sondern ein Gefängnis für die Seelen der Toten. Ihr spielt Alice, ein Mädchen ohne Erinnerungen, das sich mit der geheimnisvollen Mary verbündet, um die Königin zu stürzen und die eigene Freiheit zu erkämpfen. Jede besiegte Seele überlässt euch ihre Sünden und damit Bruchstücke einer schmerzhaften Vergangenheit. Zwischen den Runs sitzt ihr bei Teepartys mit den anderen Mädchen zusammen, und dort leistet das Writing seine eigentliche Arbeit - unbequem, verworren, manchmal wirklich berührend.

So spielt es sich

Der Clou ist das Poker-System. Während eines Runs sammelt ihr Skill-Karten, fünf davon ergeben eine Pokerhand - Paar, Straße, Flush -, die die Effekte verstärkt. Klingt nach Gimmick, ist aber das Gegenteil: Ich habe öfter überlegt, ob ich auf einen Flush gehe oder sichere zwei Paare behalte, als über das Ausweich-Timing. Besiegte Gegner lassen die Wonder Dimension über die Arena wachsen, die euch stärkt und alles beschleunigt - Aggression wird belohnt.

Das Repentance-System verwandelt gesammelte Sünden in Power-ups, und Upgrade-Materialien bleiben erhalten, sodass selbst gescheiterte Runs Waffen und Accessoires voranbringen. Gut gefällt mir auch der Wechsel zwischen naher Seitenansicht und weiter Draufsicht samt komplett ausblendbarem UI. Kleinigkeit, großer Komfortgewinn.

Die Schwächen

Die Gegnervielfalt nutzt sich schnell ab, und der Mittelteil der 20 bis 30 Stunden langen Kampagne setzt zu oft auf dieselben Arenen. Das Kampfgefühl ist gut, aber nicht auf Hades-Niveau - den Treffern fehlt etwas Wucht. Und der Ton ist gnadenlos: Wer keine Lust auf Trauer, Schuld und Trauma hat, wird die Teepartys eher wegklicken als genießen.

Preis und Verfügbarkeit bei uns

Die Standard-Edition wurde für 19,99 US-Dollar angekündigt, fair für diesen Umfang. Wichtig für deutsche Spieler: Texte gibt es nur auf Englisch, Japanisch, Chinesisch und Koreanisch, die Sprachausgabe ist ausschließlich japanisch - keine deutsche Lokalisierung. Wer mit Englisch hadert, wird mit der Story, also der Hälfte des Reizes, wenig Freude haben.

Fazit

Crymelight ist das bisher beste CRY-Spiel, schlicht weil die Roguelite-Struktur die schlechtesten Angewohnheiten der Reihe im Zaum hält. Die Poker-Builds sind wirklich clever, und das Writing trifft härter, als es die meisten Anime-Actionspiele überhaupt versuchen. Es wiederholt sich, und ein Hades-Killer ist es nicht, aber zu diesem Preis eine leichte Empfehlung für Fans düsterer Anime-Geschichten und Build-Roguelites.

Wertung: 7/10

Bild: John Tenniel / Public domain, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alice_par_John_Tenniel_25.png

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