Theos: Cities of Myth im Test: Zeus ist zurück, mit Tabellenkalkulation
Triskell Interactive legt nach dem Pharaoh-Remake ein eigenes Griechenland-Aufbauspiel vor, das die alte Impressions-Formel aus Straßen, Laufwegen und launischen Göttern perfekt trifft - aber sehr sicher spielt und beim Krieg patzt. Wertung: 7/10.
Luka Perić
Wednesday, November 4, 2026

Wer im Jahr 2000 Brunnen so platziert hat, dass der Wasserträger genau am richtigen Häuserblock vorbeiläuft, für den ist Theos: Cities of Myth gemacht. Das Spiel stammt von Triskell Interactive, dem Studio hinter *Pharaoh: A New Era*, erscheint bei Dotemu und startet heute, am 4. November, auf dem PC via Steam. Ein Remake ist es trotzdem nicht. Es ist ein komplett neues Spiel, das *Zeus: Master of Olympus* offen als Vorbild trägt und sich dafür nicht entschuldigt.
Worum es geht
Ihr gründet eine griechische Polis und errichtet einer von sieben olympischen Gottheiten ein Heiligtum. Danach folgt der klassische Kreislauf: Straßen, Wohnviertel, Nahrungsketten, Märkte, Tempel, Schulen und die ständige Sorge, dass wählerische Bürger satt und unterhalten sind, damit ihre Häuser aufsteigen. Jenseits der Mauern gründet ihr Kolonien, handelt mit anderen Stadtstaaten und entscheidet, ob Rivalen zu Verbündeten, Kunden oder Zielen werden. Es gibt eine Story-Kampagne und einen Sandbox-Modus, und bekannte Persönlichkeiten wie Aristoteles ziehen in Städte mit genug Ansehen und bringen spürbare Boni.
Wie es sich spielt
Der Städtebau ist der Grund, hier zu sein, und er ist gut. Triskell hat bei der Modernisierung von *Pharaoh* sichtlich viel gelernt: Die Oberfläche ist aufgeräumter als alles, was Impressions je veröffentlicht hat, Overlays zeigen, warum ein Viertel stagniert, und das Gefühl, wenn ein Block nach gelöster Olivenöl-Versorgung endlich aufsteigt, ist genau so, wie ich es in Erinnerung habe. Der Schutzgott zählt wirklich. Die gewählte Gottheit bestimmt mit, welche Gebäude und Strategien sich lohnen, sodass sich zwei Städte auf derselben Karte deutlich unterscheiden können, und die Zufriedenheit des Gottes wird zu einer ständigen, leicht nervenaufreibenden zweiten Wirtschaft.
Helden auf mythologische Aufträge zu schicken, legt eine schöne Bilderbuch-Ebene über die Buchhaltung, und die Grafik - sonnengebleichter Marmor, belebte Agoren, winzige Bürger auf ihren Routen - ist so detailliert, dass ich öfter hineingezoomt habe als sonst in Aufbauspielen.
Wo es hakt
Die Echtzeitschlachten sind das schwächste Glied. Sie funktionieren, wirken aber wie ein Punkt auf der Feature-Liste statt wie ein System mit Tiefe; ich habe Kämpfe mit mehr Soldaten gewonnen, nicht mit klügeren. Die Diplomatie ist ähnlich funktional und dünn. Und bei aller Politur überrascht Theos fast nie. Wer Zeus, Pharaoh oder Caesar gespielt hat, sieht jede Mechanik kommen. Das ist zehn Stunden lang gemütlich und nach zwanzig etwas flach.
Praktisch für Spieler bei uns: Das Spiel bietet neun Sprachen, darunter eine vollständige deutsche Lokalisierung, ihr müsst also nicht auf Englisch ausweichen.
Für wen es ist
Fans der Impressions-Ära, die diesen Rhythmus mit modernem Komfort wollen, werden sehr glücklich. Wer ein Aufbauspiel sucht, das das Genre voranbringt wie *Manor Lords* oder *Against the Storm*, wird hier nicht fündig.
Fazit
Theos: Cities of Myth ist ein liebevoller, solide gebauter Zeus-Erbe mit einem wirklich spannenden Göttersystem, ausgebremst durch pflichtschuldige Kämpfe und eine Allergie gegen Risiko. Wohlfühlessen für Genre-Veteranen - und manchmal ist genau das gefragt.
Wertung: 7/10
Bild: Andrew Parlette from Elkridge,MD, US / CC BY 2.0, source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stone_and_Grace_Along_Corinth%27s_Ruins_(Greece)_(54595571851).jpg



